Was sind Chlamydien?

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Was sind Chlamydien?

Chlamydien sind Bakterien aus der Familie der Chlamydiaceae. Sie nisten sich in einer Wirtszelle ein und zapfen die Energievorräte (ATP) der Zelle an, um sich zu ernähren und weiter zu vermehren. Sie zählen zu den kleinsten Bakterien überhaupt (sie sind etwa einhundertmal kleiner als die Wirtszelle selbst).

Die Infektion mit Bakterien der Gruppe Chlamydia Trachomatis findet normalerweise beim Geschlechtsverkehr statt. Da sie – vor allem bei Frauen – meistens ganz ohne Symptome verläuft, bemerken die Betroffenen die Krankheit oft nicht und geben sie unbewusst an ihre Partner weiter. Die Infektion mit Chlamydien ist dadurch in Deutschland leider die am häufigsten auftretende Geschlechtskrankheit.

Es sind auch andere Übertragungswege möglich, aber die besten Bedingungen für die Erreger bieten die Schleimhäute der Geschlechtsorgane.

Andere Körperbereiche und Organe können ebenso befallen werden, auch wenn es in Europa sehr selten vorkommt. Beispielsweise sind Chlamydien in den Tropen und Subtropen die häufigste Ursache für Erblindungen. Bakterien der Gruppe Chlamydia Pneunomiae nisten sich bevorzugt in der Lunge ein.

Wer ist betroffen?

Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. Leider werden oft Mädchen befallen, weil die Art der Schleimhaut am weiblichen Muttermund für die Bakterien die beste Grundlage für eine rasche Ausbreitung liefert.

Was sind die ersten Symptome?

Befallen werden die Harnröhre, der Muttermund und der Analbereich. Ein Brennen und Ziehen beim Wasserlassen ist ein typisches erstes Symptom. Zusätzlich kann ein weißer oder eitriger Ausfluss aus der Harnröhre oder aus dem Rektum kommen. Bei Frauen auch aus der Scheide. Ein weiteres typisches Symptom ist ein starker Juckreiz.

Eine Infektion bleibt häufig unbemerkt, weil die Symptome nicht besonders stark auftreten müssen und leicht ignoriert werden können. Bei Frauen ist es nicht unüblich, dass erst gar keine Symptome auftreten.

Folgen und Verlauf der Krankheit

Männer

Nach der Harnröhre können die Nebenhoden und die Prostata befallen werden, was für die Betroffenen äußerst schmerzhaft ist. Wird die Krankheit nicht behandelt, besteht sogar das Risiko einer Unfruchtbarkeit.

Das Reiter-Syndrom

Bei Männern kann es (sehr) selten auch zum Reiter-Syndrom kommen. Es kommt dabei an mehreren Stellen im Körper zu Entzündungen. Besonders die Harnröhre, die Bindehaut der Augen und die Gelenke sind betroffen (Arthritis). Man vermutet, dass die Krankheit erblich bedingt ist und die körpereigene Abwehr die eigenen Zellen angreift, wodurch die Entzündungen entstehen.

Frauen

Bei Frauen können sich Chlamydien über die Gebärmutter zu den Eileitern ausbreiten und dort eine ebenso schmerzhafte Entzündung verursachen. Dazu kann auch Fieber auftreten. Durch die Entzündung bleibt ein Narbengewebe in den Eileitern zurück, das den Transport der Eizelle zur Gebärmutter beeinträchtigen kann.

In vernarbten Eileitern können die männlichen Spermien eventuell nicht mehr mit der Eizelle in Kontakt kommen. Eine Unfruchtbarkeit ist dann leider das Ergebnis. Lebensbedrohlich wird es sogar, wenn eine befruchtete Eizelle sich im Eileiter anstatt der Gebärmutter einnistet. Bei der Eileiterschwangerschaft zerstört der wachsende Embryo die viel zu kleinen Eileiter und schädigt die inneren Organe.

Infizierte Schwangere geben die Bakterien oft bei der Geburt an ihr Neugeborenes weiter. Weil der Kopf in der Gebärmutter voran liegt, können sich die Bindehaut der Augen oder auch die Lungen des Kindes entzünden und dort Schäden verursachen.

Neueste Erkenntnisse über die Verursachung von Krebs

Am Berliner Max-Planck-Institut (MPI) wurde festgestellt, dass Chlamydien das Erbgut (DNA) ihrer Wirtszellen schädigen und diese künstlich am Leben erhalten. Da die Bakterien auf die Wirtszelle angewiesen sind, verhindern sie die eingebaute Selbstzerstörung, die bei Beschädigungen greift. Die beschädigte Zelle wächst und mutiert immer weiter und kann so auch zur Krebszelle werden. Bei Frauen kann sie auf diese Art beispielsweise Eierstockkrebs auslösen.

Auf den Punkt gebracht

Chlamydien sind eine gefährliche Krankheit. Sie kann zur Unfruchtbarkeit führen und im Fall der Eileiterschwangerschaft sogar das Leben bedrohen. Daher dürfen sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden. In Deutschland besteht keine Meldepflicht für Chlamydien. Regelmäßige Tests werden daher allen sexuell Aktiven dringend empfohlen. Neben HIV sind Chlamydien ein weiterer wichtiger Grund dafür, niemals auf Schutz beim Sex zu verzichten.

Wie kann man sich schützen?

Chlamydien lassen sich mit Antibiotika heutzutage sehr gut behandeln. Ärzte empfehlen regelmäßige Tests mindestens einmal jährlich oder nach dem Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner. Der Test ist zudem mittlerweile ein fester Bestandteil der Mutterschaftsvorsorge. Zeigen sich die genannten Symptome, sollten sie unbedingt ernst genommen und sofort untersucht werden.

Bei Infizierten in einer Beziehung werden normalerweise gleich beide Partner untersucht und im positiven Fall behandelt, um eine erneute Infektion auszuschließen. Hat eine Behandlung mit Antibiotika stattgefunden, wird einige Wochen nach der Behandlung ein erneuter Test zur Kontrolle durchgeführt. Auf Sex sollte während dieser Zeit verzichtet werden.

Das Risiko wird außerdem durch die Benutzung eines Kondoms deutlich minimiert. Es ist leider kein hundertprozentiger Schutz gegen Chlamydien, aber die Gefahr einer Ansteckung wird gesenkt.